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Vom Zwiebelfisch bis zum reinen Grau

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Gelassenheit

Wenn jemand eine Reise tut

Manche Wochen vergehen schneller, sind voller und nachhaltiger als andere – diese ist eine davon.

»Wenn jemand eine Reise tut – so kann er was erzählen« sagte bereits Matthias Claudius (1740 – 1815), fällt mir auf dem Weg zur Grafikwerkstatt ein. Wäre es nur das Arbeiten an einem anderen Ort oder mit fremder Belegschaft, wäre sicher auch schon viel zu berichten. Aber das eigene Unterwegssein in einer anderen Umgebung und fremden Unterkunft ist  selbst eine eigene Geschichte. Wandergesellen sprechen von: »reisen, um zu arbeiten und arbeiten, um zu reisen« und mit meiner TypoWalz habe ich eine Idee davon, was sie damit meinen.


Die Satzformen noch einmal nutzen

Meine Druckbögen sind inzwischen gut getrocknet, so dass ich diese eigentlich gleich falzen, schneiden und dann zu Heften binden könnte. Eigentlich, denn hätte Peter mich eben nicht gefragt, ob ich schon das ›Alt Dresdener‹ Büttenpapier entdeckt habe, wäre nicht die Idee eines festeren Papiers für meinen Heftumschlag entstanden. Also, Papier vermessen und die Kante passend zu der Haptik des Büttens reißen – nicht schneiden, die Druckmaschine anstellen, den Drucktisch wegen des Papiervolumens etwas herunterkurbeln, Farbe auftragen und los geht’s. Die Exemplare sind schnell gedruckt.

Eigentlich ist es schade, den Fließtext nicht noch einmal zu nutzen, denke ich, also baue ich – inzwischen mit geübten Handgriffen – die Formen auf dem Drucktisch neu zusammen und drucke daraus kleine Plakate.


Der Zwiebelfisch und die Gelassenheit

Die Umschläge trocknen, die Plakate tun es ihnen gleich und ich schweife mit zufriedenem Blick über mein Werk, als mir unverhofft ein Zwiebelfisch ins Auge springt. Ein kleines ›e‹ aus einer anderen Schrift hat sich unbemerkt in den Text geschlichen und glänzt mich an – druckfrisch. Es ist nicht zu ändern und ich übe mich in Gelassenheit.

Als nächstes wird gefalzt, wieder geschnitten, die Löcher für das Garn gestochen und dann geheftet, im Anschluss geleimt und gepresst. All das habe ich bereits von der Buchbinderin aus dem Museum der Arbeit gelernt, als wir mein Wanderbuch erstellt haben. Danke Christine Sieber.


Ein schnelles Heftlein

Obwohl die Idee zu diesem Heft erst gestern nach dem Mittag kam und sich ein falscher Buchstabe im Text befindet, ist es zwar nicht perfekt, aber auf die Schnelle doch ein gutes Arbeitsexemplar. Ich habe viel dabei gelernt und bin dankbar dafür es ausprobiert zu haben.


Grau immer in Blau, Gelb und Rot denken

Abschließend zeigt mir der Drucker Peter Stephan, wie man ein reines Grau aus den drei Farben richtig mischt. Eine interessante Technik bei der die Druckfarben blau, gelb, rot mechanisch miteinander solange vermengt werden, bis ein echtes Grau entsteht. Um die Farbe zu prüfen, gibt es eine farbechte Schablone, die über die Farbproben auf dem Papier gelegt wird. Daran lässt sich dann erkennen, ob es wirklich ein Grau ohne Farbstich ergibt. Das finde ich sehr spannend und ich bin wirklich beeindruckt.


Erinnerungsfotos

Am letzten Tag wird es Zeit für Fotos mit den Druckern der Grafikwerkstatt. Links neben mir steht Udo Haufe, rechts neben mir Torsten Leupold und Peter Stephan.

 

Ich freue mich sehr, dass sich auch zwei der Künstlerinnen aus dem Austauschprogramm mit mir fotografieren lassen.

Rania Fragkoulidou ist aus Thessaloniki, Griechenland und unterrichtet dort an der Grafischen Fakultät Aristoteles Universität. Wir haben nebeneinander gearbeitet, uns ausgetauscht und hätten gern mehr Zeit zusammen gehabt.

Yana Mikho-Misho ist seit heute in der Werkstatt. Sie kommt aus Ohio (USA) und arbeitet dort bei Zygote Press. Stolz zeigt sie mir ihre mit ihrem Logo bedruckte Schürze.

 

Die Grafikwerkstatt und auch Rania sowie Art Werger aus Cleveland (USA) und Sandim Mendes aus Rotterdam (Niederlande) haben jeweils einen Eintrag in mein Wanderbuch geschrieben. Das freut mich sehr. Es wird ein besonderes Buch und füllt sich langsam mit Schätzen.

 

Wir hatten eine sehr intensive und kreative Woche.


Dank an die Grafikwerkstatt

und »Gott grüß die Kunst«

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