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Was genau bedeutet TypoWalz?

Viele fragen mich, ob ich denn eigentlich richtig auf Wanderschaft gehe und für Jahre unterwegs sein werde.

Die schnelle Antwort: Nein, ich gehe nicht ›richtig‹ auf die Walz!


Walz ist nicht gleich Walz

Austausch von Fachwissen und Können im Handwerk


Grundsätzliches

Die Walz oder Wanderschaft zünftiger Gesellen und Gesellinnen gibt es schon seit dem Mittelalter

Es gibt so viel über die traditionelle Walz zu erzählen und zu berichten, dass dafür der Raum hier nicht reicht und ihrer Dimension und Komplexität nicht gerecht wird. Daher will ich versuchen, die grundlegenden Fakten hier zusammenzufassen. Wer sich weiter dafür interessiert, kann einen Einblick dazu bei Wikipedia bekommen.

Die ›Walz für Handsatz und Buchdruck‹ vom Verein für die Schwarze Kunst e. V. gibt es seit 2018

Der Verein für die Schwarze Kunst hat mit der ›Walz für Handsatz und Buchdruck‹ ein Stipendium ausgeschrieben, um  (…) Menschen in den relevanten Berufen oder auch während ihres Studiums einen Zugang zu traditionellen Druckwerkstätten zu ermöglichen, um im praktischen Umgang mit dem begreifbaren, dreidimensionalen Medium zu einem erweiterten Verständnis für Schrift und Typographie zu gelangen (…)


Voraussetzungen

Um heute auf traditionelle Walz gehen zu können, muss man:

  • die Gesellenprüfung bestanden haben
  • ledig bzw. ungebunden sein
  • kinderlos sein
  • schuldenfrei sein
  • und unter 30 Jahre alt sein

Um auf die vom Verein für Schwarze Kunst ausgeschriebene ›Walz für Handsatz und Buchdruck‹ gehen zu können, sollte man:

  • noch im Studium oder in einem relevanten Beruf sein
  • Interesse an Typografie und der traditioneller Druckkunst haben
  • und unter 30 Jahre alt sein

Zeitliche Umfang

Auf der Wanderschaft ist man wenigstens

  • 3 Jahre und 1 Tag unterwegs und
  • mindestens 50 Kilometer entfernt von seinem Heimatort.

Daher auch Begriff Wanderjahre, in denen man ›reist, um zu arbeiten und arbeitet, um zu reisen‹.

Die ›Walz für Handsatz und Buchdruck‹ muss

  • in 2 Monaten (nicht durchgängig) absolviert werden, aber in maximal 6 Monaten abgeschlossen sein und
  • insgesamt müssen 40 Arbeitstage zu mindestens 5 Stunden nachgewiesen werden.

Regeln und Kleidung

Allein mit der Idee auf Wanderschaft zu gehen, kann man noch nicht los. Auf der traditionellen Wanderschaft gibt es bereits im Vorwege sehr viele Regeln und Bräuche, die einzuhalten und zu erlernen sind.

Erkennen kann man Wanderleute an ihrer traditionellen Kluft, die sie immer tragen müssen und deren Berufszugehörigkeit anhand der Farbe und Zusammenstellung dieser erkennbar ist.

Auch hierzu lässt sich sehr viel erzählen, mehr Informationen gibt es auf www.zunft.de.

In der ›Walz für Handsatz und Buchdruck‹ sollte neben dem Interesse und dem Wissenshunger ein fachliches Vorwissen und handwerkliches Geschick vorhanden sein. Bei dieser Walz geht es darum, dass das Schriftsetzerhandwerk nicht völlig ausstirbt, dass das fachliche Wissen und Können weitergeben werden bevor es keine Schriftsetzer und Schriftsetzerinnen mehr gibt. Dafür sind diese bereit, ihr Handwerk engagiert und kostenlos weiterzugeben.

Eine Arbeitskleidung auf dieser Walz, die vor Druckfarben und Farbwaschmitteln schützt, ist sinnvoll, aber keine Pflicht.


Wandern und Reisen

Auf der traditionellen Walz wird tatsächlich gewandert und gern auch getrampt. Das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist verpönt, da man auf Wanderschaft kaum Geld dabei hat und der verdiente Lohn dafür nicht ausgegeben werden soll.

Bei der ausgeschriebenen Walz für Handsatz und Buchdruck bietet das Stipendium einen finanziellen Rahmen, der die Reiseart nicht vorschreibt und Reisekosten gering hält, so dass man nicht zu Fuß unterwegs sein muss.


und die TypoWalz?

Ich bin weder auf Wanderschaft noch Stipendiatin

Seit vielen Jahren arbeite ich als Kommunikationsdesignerin und Agenturleiterin von pix & pinsel. Nach meinem Typografiestudium erlerne ich nun seit 2018 von ehemaligen Schriftsetzern ihr Handwerk im Museum der Arbeit Hamburg.

 

Mein Interesse am Austausch von Fachwissen und Können im Schriftsetzerhandwerk ist leidenschaftlich. Da ich jedoch die vorgegebene Altersgrenze überschreite, steht die ›Walz für Handsatz und Buchdruck‹ für mich nicht offen. Insofern reise ich unabhängig und eigenfinanziert im Land umher.

 

Neben meiner Arbeit in der Agentur werde ich innerhalb von einem bis zwei Jahren immer mal wieder eine Woche in traditionellen Setzereien, Druckereien und Fachmuseen vor Ort sein, um das von dem Aussterben bedrohte Handwerk von möglichst vielen noch lebenden Schriftsetzern oder Schriftsetzerinnen zu erlernen.

Und da ich mich als Typografin weiterbilde gehe ich auf TypoWalz.


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